Forschung

Klang

Klänge spüren und sehen

Beispiele in diesem Video:
0:04 Chladnische Klangscheibe
1:18 Tonoskop
1:40 Wasserklang-Vase

VERTONUNG VON PFLANZENPROPORTIONEN

Erleben wir das, was wir mit dem Auge als schön empfinden, mit dem Ohr auch als harmonisch?

Diese Frage taucht immer wieder in der Menschheitsgeschichte auf. So beschäftigte sich schon Leonardo da Vinci mit den Proportionen des menschlichen Körpers und fand heraus, dass sie ganzzahligen Verhältnissen- und damit Tonintervallen entsprechen.

 

Ich beschäftigte mich nun mit der harmonikalen Untersuchung von Pflanzenproportionen (bisher bei Stileiche, Sommerlinde, Elsbeere, Speierling und echter Kamille). An Blättern, Blüten, Früchten und anderen typischen Pflanzenmerkmalen nahm ich Maß und errechnete über die Wellenlängen, die diesen Maßen entsprechen, den Ton. Dann stimmte ich die errechneten Töne in Form von Röhrenglocken oder Metallharfen auf das Cent genau ab, sodass es möglich ist, die Töne der Stileiche, Sommerlinde etc. erklingen zu lassen.

 

Erstaunlicherweise fällt bei allen bisherigen Pflanzenvertonungen auf, dass die Natur nach Harmonie- das heisst nach ganzzahligen Verhältnissen strebt. Bei den angegebenen Tonintervallen der Kamille ist die größte Abweichung bei 9 Cent- das entspricht noch nicht einmal einem zehntel Halbton.

TONOSKOP

Die menschliche Stimme wird hiermit sichtbar. Auf eine schwarze Trommelmembran von 60 cm Durchmesser wird Quarzsand gestreut. Die Membran wird mit einem kräftigen Ton durch eine Pappröhre angesungen, wodurch sich der Sand in wunderschöne organisch anmutende Formen legt. Bei tiefen Tönen entstehen einfache, klare Bilder. Je höher die Töne, um so komplizierter werden die Strukturen.

CHLADNISCHE KLANGSCHEIBEN

Eine Kupferplatte, die verschiedene Formen haben kann, ist waagerecht auf einen Fuß aus Eisen geschraubt. Die Platte wird mit Quarzsand bestreut und mit einem Geigenbogen angestrichen. Je nach dem, welcher Oberton erklingt, entstehen unterschiedliche ästhetische Formen. Das Schwingungsverhalten der Platte wird sichtbar.

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KLANGBILDER

Sand und Emaillefarbe auf patiniertem Kupfer oder Glas

Kein Pinsel und auch kein Spachtel waren das Handwerkszeug für diese Bilder. Sie sind nicht durch herkömmliche Mittel entstanden, sondern mit Hilfe eines Geigenbogens. Kupfer- oder Glasplatten werden mit Sand und Emaillepulver bestreut und mit einem Geigenbogen angestrichen. Der Ton, der dabei entsteht, malt selbst das Bild. In Sekundenschnelle entstehen je nach Ton immer wieder neue, faszinierende Strukturen. Im Ofen erhitzt schmilzt das Emaillepulver und verbindet sich mit Sand und Metall – das Klangbild erstarrt.

Mit unseren Augen bleiben wir beim Betrachten eines Gegenstandes in der Regel an der Oberfläche haften. Wenn wir uns zum Beispiel eine Tasse anschauen, können wir vermuten, sie sei aus Porzellan. Aber so richtig sicher sind wir uns nicht, denn sie könnte auch aus Plastik und dementsrechenden angemalt sein.  Erst wenn wir gegen die Tasse klopfen, entsteht Gewissheit. Unsere Ohren sind wie Röntgenaugen. Wenn etwas erklingt, hören wir in die innere Beschaffenheit des Klangerzeugers hinein. Bei den Klangbildern stülpt sich etwas vom Inneren der Kupferplatten nach außen und wird an seiner Oberfläche sichtbar. Es wird Ihnen also mit Pinsel und Farbe kein fremdes Bild aufgedrängt, sondern es offenbart sich ihr ureigenenes Bild.

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PLATTENGLOCKEN MIT PAPIERRESONATOREN

Ein Klangobjekt für alle Sinne

Kugelförmige Resonatoren aus Seidenpapier verstärken den Klang der bronzenen Plattenglocke. Der große untere verstärkt den tiefen Grundton, der kleinere diverse Obertöne. Beim Hin und Herpendeln des Kleinen Papierbehälters wird der Klang auf merkwürdige Weise elastisch, weil mal der eine mal der andere Oberton verstärkt wird. Beim Berühren dieser Hohlkörper wird der Klang spürbar. Eine Kerze in dem unteren Resonator erzeugt warmes Licht und wärmt die Klangplatte.